Warum spezielle Rassen?
Nutztiere aller Art haben sich auf verschiedenen Standorten unterschiedlich entwickelt- je nach Klima, Wetter, Futterbedingungen, Bodenbeschaffenheit uvm. waren, sind ursprünglich gleiche Gruppen verschiedenen Wege gegangen- ein Bergrücken zwischen zwei Tälern konnte schon genügen, um ganz andere Anpassungen an die Umwelt vorzunehmen und irgendwann im Erbgut zu verankern (vielleicht erinnert sich jemand an die "Darwin-Finken" aus dem Biologie- Unterricht-). Wo die für die Umgebung geeigneteren Eigenschaften nicht klar vererbt werden, spricht man von "Schlägen", bei gefestigten Merkmalen von Rassen.
Die meisten Schafherden, denen man begegnet, sind Gebrauchskreuzungen aus verschiedenen Rassen, oft mit dem hier wichtigsten Ziel der Lammfleischerzeugung bei guter Fähigkeit zur Landschaftspflege. Rassetiere zu züchten, ist mit reichlich Schreibkram und hoffentlich Kenntnissen über Vererbung(-sgrade) und genetische Linien verbunden, zeitaufwändig, ab er zum Erhalt von Rassen unverzichtbar.
Um bessere Einnahmen über eine dennoch schlecht honorierte Fleischleistung zu generieren, werden kleinere oder weniger "ertragreiche", meist Landschafrassen mit schwereren gekreuzt. Auch so können langfristig weitere Rassen entstehen. In manchen Ländern produziert man aus zwei sehr unterschiedlichen Rassen mit großem Geschick schon in der ersten Generation derart einheitlich aussehende Tiere, dass man sie für eine eigene Rasse halten könnte. Ein Blick etwa nach Großbritannien zeigt solche Kreuzungen, "mules", alle aus einem Guss. Man darf sie halt n icht untereinander verpaaren, sonst gibt es einen wilden Cocktail aus den Ursprungsrassen und weiteren Zutaten.Dies Prinzip gilt für alle Arten, Rassen und Landschaften Dies Prinzip gilt für alle Arten, Rassen und Landschaften
Will ich eine Rasse in ihren Eigenschaften verbessern, muss das ganz allmählich gehen, mit viel Versuch und Irrtum.-
Derzeit werden beispielsweise viele Moorschnucken mit größeren Fleischschafen eingekreuzt, vielfach nicht ganz behutsam. Das bedeutet etwas mehr Gewicht. Aber. um mehr Gewicht zu erzielen, muss schaf auch besseres, energie- und eiweißreiches Futter haben. Und genau da liegt das Problem: die selektive Fressweise der Schafe wird in den entsprechenden Landschaften eine Weile bessere Qualitäten finden. Das Futter, mit dem der genügsame Ursprungstyp zurecht kam, bleibt stehen und vermehrt sich- die Fläche wird insgesamt futtertechnisch wertloser, verliert aber auch an Artenvielfalt. Auf Sicht werden die Tiere mit dem höheren Bedarf nicht mehr satt, die Beweidung wird aufgegeben. Oder durch Mahd absolut unzureichend ersetzt, denn genau Beweidung sorgt für eine enorme Vielfalt in den einzelnen Biotopen. Erreicht hat man dann die Aufgabe wichtiger Lebensräume - unter Verlust der ursprünglich genau an diese Räume angepasste Rasse, die sich nicht einfach zurückzüchten lässt, und deren spezielle Fähigkeiten sich buchstäblich Schritt für Schritt verloren haben. Dies Prinzip gilt für alle Arten, Rassen und Landschaften.
Landschaftspflege, Fleischerzeugung, Rasseerhalt. Oft im Widerspruch zueinander in Zeiten, wo weder die Weidetierhaltung noch die Schafhaltung echte Anerkennung finden. Und dennoch müsste man gerade hier die Spezialisten zu erhalten. Aber: die anderen kriegen es ja auch irgendwie hin, und ansonsten mähen wir oder erklären das Ganze zum Rewilding-Projekt. Mensch tickt so. Dennoch sollten wir Menschen gut überlegen, was wir langfristig opfern für kurzfristige Ziele, die dann nicht einmal nachhaltig sind.