Herdenschutz mit Zaun...
Herdenschutz bedeutet heute nicht mehr, die Herde am Ausbrechen z.B. aus dem Nachtpferch oder einer zeitweisen Koppel zu hindern (auch um Schäden Dritter durch herumlaufende Tiere zu vermeiden). Heute müssen Beutegreifer, bislang vorzugsweise Wölfe, am Eindringen in die jeweiligen Weideflächen gehindert werden.
Dies geschieht mit elektrifizierten Zäunen, zu denen jedes Bundesland eine eigene Vorgabe hat, und zwar sowohl hinsichtlich einer möglichen Förderung dieser Präventionsmaßnahme als auch zur Erstattung eines Teils des entstandenen Schadens bei einem Übergriff. Viele Wölfe lassen sich mit einem gut elektrifizierten, sauber gebauten Zaun ohne Untergrabemöglichkeiten fernhalten.
problematisch sind Wölfe, die gelernt haben, Zäune zu überwinden. Dabei ist es egal, ob sie dies Wissen aus ihrer Familie mitgebracht haben, als sie dort abwanderten, oder ob sie es später erlernt haben. Es ändert auch nichts daran, ob sie an nicht ausreichenden Zäunen trainieren konnten, die aus Unkenntnis nicht ausreichten- oder weil nicht genug Tierhalter in einer Region geschützt haben. Diese Diskussion ist ähnlich wie die, dass man Schafe nicht scheren solle, weil sie sich ihre Wollmeneg nicht selbst ausgesucht hätten. Das ist ewig her, heute ist der Status: sie haben die Wolle, und die muss einmal im Jahr runter. Punkt.
Ähnlich verhält es sich auch mit dem Wolf, der , warum auch immer, jetzt weiß, wie er Herdenschutz umgeht. .Müßig, nach den Ursachen zu fahnden- er wird immer wieder an Nutztieren zu Schaden gehen. Bequem wie der Mensch, sucht er nach der einfachsten Möglichkeit des Nahrungserwerbs.
Permanentes Aufrüsten hat irgendwann Grenzen, die nicht zwangsläufig in der Faulheit der Schafhaltenden zu suchen sind, was gern unterstellt wird. Die Topographie der Landschaft, Wetter und Schutzziele von Tieren und Pflanzen müssen genauso in Überlegungen einbezogen werden wie eine irgendwann nicht mehr gegebene Umsetzbarkeit immer höherer Zäune. Eine Aufgabe der Beweidung hätte fatale Folgen für die gesamte Artenvielfalt. In den wenigen Fällen, in denen immer wieder übergriffige Wölfe Nutztiere reißen, wäre also auch über eine Entnahme dieser Einzelwölfe nachzudenken. Um ein Gleichgewicht in der Wertigkeit einzelner Gruppen von Lebewesen und ebenso der Auswirkungen auf den Naturhaushalt herzustellen. Bislang ist es hierzulande üblich, dem Wolf einen Freibrief auszustellen- notfalls mit Klagen gegen Entnahmebeschlüsse, bei denen man sich auch fragt, wieso eine Behörde diese nicht rechtssicher verfassen kann oder will- ansonsten den Tierhaltern immer höhere Vorgaben zu machen, falls sie denn bei einem Rissvorfall einen Teil ihrer getöteten Tiere erstattet bekommen möchten (hier handelt es sich um einen Zeitwert, nicht um einen betriebswirtschaftlichen oder züchterischen Wert).
Zu zumindest beim Standardwolf funktionierenden wolfsabweisenden Zäunen gibt es in jedem Bundesland andere Empfehlungen, die sich oft in den jeweiligen Managementprogrammen verstecken.
Hierzu ein Verweis auf die umfangreiche Datenbank des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege aus dessen Herdenschutzprojekt
https://www.herdenschutz.dvl.org/
Unsere Schäferei ist Demonstrationsbetrieb während der Projektlaufzeit gewesen- und vorher wie auch jetzt gern bereit, Erfahrungen weiterzugeben.
... und Hund
vielfach wird behauptet, der Herdenschutzhund sei eine Herdenschutzmaßnahme, die ebenfalls für alle anwendbar sei. Von Seiten des Hundes ist das auch so, der funktioniert prinzipiell immer und überall, Ausnahmen bestätigen die Regel- begrenzender Faktor ist hauptsächlich der Mensch. Der, dem die Herde gehört- denn der muss bereit sein, sich auf das neue Prinzip mit lebenden Mitarbeitern zum Schutz der anderen Mitarbeiter einzulassen. Will er das nicht, wird es nicht funktionieren.
Der andere Mensch- meist in der Mehrzahl- ist der, der krakeelend am Zaun vorbeigeht, durch die Herde hindurchlaufen will, seinen Mittagsschlaf genießen und an Sonn- und Feiertagen sowie nachts seine Ruhe haben. Dessen Interessen wiegen bis dato höher als die eines Weidetierhalters, der seine Tiere auf die bislang bestmögliche bekannte Weise schützen möchte und umsetzt, was staatlicherseits angeraten wird. Zaun plus Hund(e, zwei sind mindestens vonnöten). Ein Dilemma, das in der Praxis wiederum darlegt, dass der Weidetierhaltung und denen, die sie als gewünschte gesellschaftliche Leistung umsetzen, ein wesentlich geringerer Wert zugestanden wird. Es ist den Weidetierhaltern nicht zu verdenken, sich hier betrogen und abgehängt zu fühlen, was allerdings auch nicht hilft. Helfen würde die Erkenntnis, dass alle Belange wichtig sind und im Zweifel unideologische Kompromisse eingegangen werden müssen, will man glaubwürdig bleiben, auch hinsichtlich hehrer Ziele des Naturschutzes. Was auch bedeutet, auf übergriffige Individuen zu verzichten, die für eine Koexistenz nirgends sinnvoll sind.
Traumbild. Bislang deutet nach einem Vierteljahrhundert Weidetierhaltung mit Wolf nichts auf eine Wertschätzung jener hin, die Biodiversität und Klima schützen, Wasser, Boden und CO2Speicher stabilisieren und auch sonst viele Lösungen für bekannte Probleme parat halten.
Zurück zum Herdenschutzhund: in geeigneten Betrieben ohne Beschuss durch immissionsschutzgesetzbegeisterte Lärmprotokollersteller ein funktionierendes System. Kein vernünftiger Wolf lässt sich auf einen ungewissen Kampf gegen einen entfernten Verwandten ein, der sich dazu noch in bekanntem Territorium aufhält..
Der Einsatz dieser Hunde muss erlernt werden- Hundeerfahrung mit anderen Typen Hund kann von Vorteil sein, genügt aber nicht. Die Hunde brauchen weniger das Etikett Herdenschutzhund als vielmehr eine genetisch bedingte Eignung und ein passendes Temperament für den jeweiligen Einsatzort. Und Anschaffung wie Unterhalt sind heftig.
Einige Bundesländer zahlen auch die Unterhaltungskosten für Zäune und Hunde- als einen unfreiwillig zu erbringenden Mehraufwand, wofür die EU überall die Grundlagen geschaffen hat. Andere zahlen nichts- während dem Wolf Landesgrenzen völlig gleichgültig sind.
Hier gibt es noch viel zu tun, will man das Eine haben, ohne auf das Andere zu verzichten.